Sonntag, 25. April 2010

Wenn man vom Teufel spricht...

Ja, ich geb es zu. Ich habe es beschrieen mit meiner Klage, dass hier zu wenig los ist. Aber beginnen wir die Woche am Anfang:

Hurra, Geburtstag! Ja, das Studentenhaus in Tromsø, unser Driv, wurde letzte Woche zehn! Natürlich waren alle ganz aus dem Häuschen und es gab die ganze Woche Konzerte, Partys und Aktionen. Die berühmte Aschewolke hat zwar im Programm gewütet und einige Künstler am Kommen gehindert, aber die Geburtstagswoche war trotzdem ein voller Erfolg. Der Höhepunkt war die Party für die Freiwilligen am Sonntag. Tatsächlich waren alle Freiwilligen der letzten zehn Jahre eingeladen! Das Organisationsteam hat sich selbst übertroffen und ein Wahnsinnsfest geschmissen, das zumindest in meinem Party-Erfahrungsschatz seinesgleichen vergeblich sucht. Eine meiner Mitfreiwilligen hat das sehr schön folgendermaßen zusammengefasst: "Was ein Fest! Es hatte ALLES: Flammen, Akrobaten, Feuerwerk, Schaum, Kuchen, Knutscherei, Tanzen, Fußball, peinliche Zustände, gebrochene Beine, Sauferei und Spaß!"
Ich glaube zwar, wirklich gebrochen hat sich keiner was, aber sonst ist dem wenig hinzuzufügen. Was ein Fest, indeed.

Abschied: Mit dem allmählichen Ende des Semesters dünnen sich unsere Reihen so langsam aus und die Abschiedsfeiern häufen sich. Diese Woche hat uns Bea verlassen und ist nach hause nach Oslo gereist. Es ist natürlich schade, dass unsere kleine Gemeinde hier immer weiter zerfällt, aber andererseits gibt es jedesmal Kuchen, wenn wieder jemand geht. :-)

Spontanurlaub: Auch wenn das Thema allmählich wirklich abgenutzt ist, muss an dieser Stelle nochmal die Aschewolke Erwähnung finden. Die war nämlich Schuld, dass Nonas Freund nicht wie geplant am Montag hier ankommen konnte, und so wurde auch aus dem romantischen Hüttentrip der beiden leider nichts. Da die Hütte aber nun schonmal gebucht war und weil Freunde Freunde nicht allein in Urlaub fahren lassen (oder so ähnlich) haben Balu, Gaby und ich uns erbarmt und sind -so opferbereit sind wir- mit Nona auf die wunderschöne Ferienhütte der Uni in Brensholmen gefahren. Der Plan war, drei Tage mit Sauna, Sonnen und gepflegter Unterhaltung zu verbringen. Das ist auch weitgehend gelungen.
Wir waren auch viel draußen unterwegs. Dank Balu, der ein überaus engagierter Hobby-Ornithologe ist und wo er geht und steht sein Fernrohr mitschleppt, haben wir, kaum zu glauben, sogar Wale gesehen! Zwar nur so kleine Spar-Wale, aber es zählt.

Tatsächlich verdanken wir Balus Vogel-Verrücktheit noch ein weiteres interessantes Erlebnis: Donnerstag morgen, als wir anderen uns noch vom Abend vorher erholen mussten, ist er nämlich schonmal alleine auf die Nachbarinsel aufgebrochen, um dort irgendwelche Vögel zu belästigen. Gegen Mittag hat uns dann seine Nachricht erreicht, dass er auf besagter Insel beim Vögelverfolgen einen Hang hinuntergerutscht war und, obwohl unverletzt, nicht mehr allein dort wegkam. Nona und ich haben also unsere Sachen gepackt und uns auf den Weg gemacht, um zu sehen, ob wir ihm helfen können. Um hier eine lange, komplizierte und verwirrende Geschichte voller Missverständnisse kurzzufassen: Wir haben seine Spur gefunden, sind ihm ein ganzes Stück nachgeklettert und mussten nach einer Weile, recht weit oben in der Steilwand, zugeben, dass die Sache eine Nummer zu groß für uns wurde. Da wir nur sehr sporadisch Kontakt zu Balu hatten (er hatte es wirklich geschafft, an der einzigen Stelle ohne durchgehenden Handyempfang abzustürzen)und wir auch selber nicht mehr recht vorwärtskamen, haben wir im Rahmen der ersten vernünftigen Entscheidung dieses Tages die Bergrettung alarmiert. So kamen dann zwei Norweger in einem Boot, Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr, wie sich später herausgestellt hat, und haben Nona und mich von der Wand gepfückt. Wenn man den Weg nach unten kannte, war es wirklich einigermaßen trivial.
Nach Balu mussten wir vom Boot aus trotzdem noch eine Weile suchen, denn er hatte sich perfekt an seine Umgebung angepasst. Beachtet dazu bitte das Suchbild im Fotoalbum. Gefunden haben wir ihn nur, weil er eine Trillerpfeife und wir ein Fernglas hatten. Lustigerweise hat sich bei der Gelegenheit rausgestellt, dass er nur etwa dreißig Meter von Nona und mir entfernt gewesen war, ohne dass wir einander sehen konnten. Jedenfalls ist einer unserer Retter dann mit einem Seil zu Balu geturnt und hat ihn aus der Wand geholt. Wir haben uns alle tüchtig geschämt und tausendmal entschuldigt, aber zur Belohnung für unsere Doofheit haben uns die beiden Norweger erst mal mit nach hause genommen, wo wir Kaffee und Waffeln bekommen haben, und uns dann nach hause gefahren. Richtig, richtig gute Menschen. Auf dem Bild seht ihr uns mit unseren Rettern: Nona, Bernt, Halvar, mich und Balu.



Der Anteil an dämlichen Entscheidungen an diesem Tag verteilt sich ziemlich gleichmäßig auf uns drei, und somit sind auch die Lehren aus der ganzen Aktion vielfältig. Von schau wo du hintrittst bis Hole Hilfe. Sofort. ist für jeden was dabei. Aber zuallererst sind wir mal froh, dass weiter nichts passiert ist. Denn bis auf ein paar Schürfwunden und Kratzer sind wir alle heil geblieben. Und auch Balu hat wohl keinen ernsten seelischen Schaden genommen, denn der saß schon am gleichen Abend wieder auf der Terasse hinter seinem Fernrohr.

Ich beneide euch um euer tolles Frühlingswetter und wünsche eine schöne Woche! Beste Grüße!

2 Kommentare:

  1. Na, aber hallo! Wer wird denn da um schönes Frühlingswetter beneidet? Wer hat denn morgens bei schönstem Sonnenschein im Garten gefrühstückt.
    Also, bitte.

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  2. die_tina hat gesagt...
    heidazackn ihr macht sachen! da bin ich froh, dass alles so gut ausgegangen ist und alle wieder aufgesammelt wurden! ein abenteuer war es allemal und definitiv ein sensationeller eintrag. gut dass es die netten männer von der feuerwehr gibt. und da sieht man mal was so ein aschewolke alles für folgen hat. haha
    eure feierei hört sich sehr wild und spaßig an. so ists recht! das will ich auch! :)

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