Samstag, 17. April 2010

Allgemeinstes

Hallo ihr Lieben! Ich habe ja nun lange nichts mehr von mir hören lassen. Das liegt in erster Linie daran, dass in den letzten zwei Wochen leider wenig Nennenswertes passiert ist. Natürlich war ich in der Uni, habe fleißig im Driv gearbeitet und mich mit den anderen Erasmus-Studenten getroffen, aber wirkliche Neuigkeiten gibt es nicht. Aber weil schließlich auch die Zeitung selbst dann voll ist, wenn nichts passiert, kommt jetzt ein lange fälliger Eintrag über Tromsø allgemein.

Tromsø: die Hauptstadt der Provinz Troms liegt auf 69° Nord. Der Polarkreis liegt bei 66°N, das bedeutet, dass wir uns hier etwa 300 Kilometer Luftlinie nördlich des Polarkreises befinden. Zum Vergleich: Tromsø liegt auf einer Höhe mit Sibirien und den nördlichsten Ausläufern Alaskas. Insgesamt also doch recht weit oben. Wenn man von der Kvaløysbrua -der Brücke zur Nachbarinsel- in den Sund spränge, müsste man nur noch etwa zweitausend Kilometer nordwärts schwimmen um den Nordpol zu erreichen. Von dieser Form des Reisens wird aber allgemein abgeraten.

Die extreme Lage Tromsøs schlägt sich im Lieblingsadjektiv seiner Bewohner nieder. Wie ich sicher schon erwähnt habe, studiere ich hier an der nördlichsten Universität der Welt, zu der natürlich das nördlichste Krankenhaus gehört. Die nördlichste Brauerei braut das nördlichste Bier der Welt, das nördlichste Multiplexkino zeigt immerhin auch Filme aus dem Süden, und wer will geht sonntags zum Gottesdienst in die nördlichste Kathedrale der Welt. Die Katholiken haben wie gesagt sogar ihren nördlichsten Bischof hier postiert. Das Ganze wird tatsächlich etwas überstrapaziert, aber das ist ja nicht der einzige Ort auf der Welt, an dem man unverdient stolz auf geographische Gegebenheiten ist. Allerdings sicher der nördlichste.

In der Stadt leben, zusammen mit ihren Außenbezirken, etwa 67.000 Einwohner. Das macht sie zur unangefochten größten Stadt Nordnorwegens und immerhin zur siebtgrößten Norwegens. Wenn ich erzähle, dass ich aus einer kleinen deutschen Stadt mit etwa einhunderttausend Einwohnern komme, sind die Menschen gewöhnlich überrascht bis beleidigt.

Das Haus, in dem ich hier wohne, besteht aus insgesamt vier Fluren mit jeweils acht Bewohnern. Ich kenne eigentlich nur die Menschen aus meinem Flur, weil man eben doch mal in der Küche übereinander stolpert und hallo sagt. Auch wenn die Putzdisziplin nicht die beste ist, habe ich Glück mit meinen Mitbewohnern, denn wir verstehen uns alle gut und es gibt selten Streit. Mein Zimmer hat Wände, ein Dach und Internetanschluss. Ich bin also zufrieden. Ein interessanter Randfakt dazu ist die Tatsache, dass die Häuser in dieser Wohnanlage tatsächlich ursprünglich die Quartiere für die olympischen Winterspiele in Lillehammer 1992 waren. Als man damals fertig mit winterspielen war, hat man die Häuser einfach auf Lastwagen gepackt und hier hochgefahren. Ich wohne also in einem Recyclinghaus. Unten ein Foto von meinem Zimmer. Das mit den Wänden.



Unsere Wohnanlage befindet sich ganz in der Nähe des Flughafens. Das ist nicht so lärmbelästigend, wie man sich das vorstellt. Je nachdem wie der Wind steht, hört man meistens kaum was. Im Moment ist der Flughafen ohnehin gesperrt, bis die isländische Aschewolke sich wieder verzogen hat. Wenn man die aufgeregten Schlagzeilen in den bunten Zeitungen mit der großen Schrift verfolgt, könnte man meinen, Island habe Norwegen den Krieg erklärt. Aber in einer Stadt, in der sonst so wenig passiert, muss man die Sensationen eben nehmen wie sie kommen. Im Ernst: hier geschieht so wenig, dass auf der Titelseite der Tageszeitung immer ein Kasten mit vier Fotos von Geburtstagskindern des Tages ist. Und das ist nur die Vorschau auf die Doppelseite im Innenteil!

Tromsø an sich ist also eine nette kleine Stadt. Wer allerdings den Begriff "Paris des Nordens" in die Welt gesetzt hat, war meiner Meinung nach noch nie in Paris. Genauso wenig wie der Mensch, der die "Tromsøpalmen" getauft hat jemals eine echte Palme gesehen haben dürfte:



Diese Pflanzen stehen tatsächlich selbst jetzt im Winter an vielen Stellen rum, vor allem an den Stränden. Allerdings handelt es sich dabei meiner Ansicht nach weniger um Palmen sondern mehr um eine Art Riesenbärenklau. Aber was weiß ich schon.
Jedenfalls fühle ich mich hier in meinem nördlichsten Paris der Welt zwischen Polarkreis und Möchtegernpalmen nach wie vor sehr wohl. Die Zeit, bis ich wieder nach hause komme, wirkt beim Blick in den Kalender schon wieder überraschend kurz. Das Wetter scheint nun auch besser werden zu wollen, nachdem es die letzten ein, zwei Wochen eher mittelmäßig war. Für den nächsten Blogeintrag gibt es also vielleicht (hoffentlich) wieder etwas mehr zu erzählen. Obwohl ich die Zeitung für "keine Nachrichten" heute eigentlich recht vollbekommen habe. ^^

Ganz liebe Grüße an euch alle und für die, die es betrifft einen ruhigen Semsterstart!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen