Noch mehr Langlauf: Nach unserer letzten spektakulären Heldentat am Fjellheisen (dazu sind jetzt übrigens auch einige Fotos online) habe ich beschlossen, mich zu weniger wagemutigen Unternehmungen aufzumachen. Bei strahlendem Sonnenschein habe ich mich zur Nordspitze der Insel begeben und auf dem Weg entlang der Küste die Aussicht genossen. Und weil das so schön war, habe ich zwei Tage später dieselbe Tour nochmal mit Astrid und Natasha aus Dänemark gemacht. Auch von diesem Ausflug findet ihr ein paar Bilder in meinem Album.
Obwohl das Wetter wesentlich schlechter war, haben Natasha und ich heute den umgekehrten Weg, sprich in Richtung Süden, ausprobiert. Die Aussicht ist auf dieser Strecke zwar nicht so schön, aber da die Loipe durch den Wald führt und es außerdem wieder schneit, hatten wir ein richtiges Winter-Wunderland. Auch dazu: bestaunt die Fotos!
Alles in allem muss ich zugeben, dass das Langlaufen anders als erwartet nicht die Fortsetzung einer langen Kette von enttäuschenden Sportarten darstellt, sondern mir tatsächlich Spaß macht! Wer hätte das gedacht.
Das Wetter mäßigt sich im Moment auch wieder etwas, nachdem wir letzte Woche durchgehend um die minus fünfzehn Grad hatten. Tatsächlich haben wir die einigermaßen historische Tiefsttemperatur von minus achtzehn Grad erreicht. Damit war es in Tromsø so kalt wie seit 23 Jahren nicht mehr. Diese Woche ist es nur noch etwa minus fünf Grad, was einem wirklich schon viel wärmer vorkommt. Durch den wolkenlosen Himmel und wilde Aktivität auf der Sonne konnten wir auch die ganze Woche schönste Nordlichter bewundern. Nur dass man bei der Kälte eigentlich keine Lust dazu hat, stundenlang draußen rumzustehen.
In der Uni hat mein zweiter Kurs begonnen. Ich höre jetzt Notfallmedizin, was um einiges spannender ist als Gesellschaftsmedizin. Wir haben neben der Vorlesung auch viel praktisches Training im Simulationszentrum und im OP, also endlich mal wieder echte Medizin.
Ich bin bei der ganzen Sache in doppelter Hinsicht im Vorteil: zunächst mal habe ich das Notfalltraining schon zuhause gemacht. Außerdem kann ich im Gegensatz zu den norwegischen Studenten einen venösen Zugang legen – das machen hier hauptsächlich die Schwestern statt wie bei uns die Studenten. Damit bin ich hier mit meinen bescheidenen Kenntnissen tatsächlich den meisten ein ganzes Stück voraus. Wie sagt man so schön: unter den Blinden ist der Einäugige König…
Ansonsten pendelt sich so langsam alles ein. Vieles ist zwar immer noch neu und spannend, aber allmählich stellt sich auch eine angenehme Art von Routine ein. Ich habe nun auch meine Krankenhaus-Schlüsselkarte bekommen, die mir Zugang zu den Umkleiden und zu den OPs gewähren soll (ob sie das tatsächlich tut, bleibt abzuwarten). Sonst treffe ich die anderen, gehe zum Norwegischkurs oder arbeite im Driv. So seh ich dabei übrigens aus - zumindest, wenn man mich mit einer Kamera überrascht...

Küchen-Razzia: Für nächste Woche ist eine offizielle Begehung unserer Küche durch den Hausmeister angesagt. Dabei wird geschaut, ob auch alles schön sauber ist. Wer schön putzt, gewinnt ein Diplom und ein Teelicht. Das seh ich für unsere Küche so zwar noch nicht kommen, aber vielleicht putzt ja morgen aus Versehen jemand.
Zuletzt habe ich sogar einen Sieg über die allgemeine Versifftheit verbuchen können: Irgendjemand hatte eine Art biologisches Experiment in die Ecke des Tresens gestellt. Ich weiß nicht, was ursprünglich in dem Topf war, aber bereits das erste Mal, als er mir aufgefallen ist, hatte der Inhalt eigentlich nur noch die Bezeichnung Biomüll verdient. Schon nach einer Woche wuchs und gedieh das Leben im Topf auf das Prächtigste. Schließlich habe ich dann mal die Initiative ergriffen und einen Zettel an den Topf geklebt, ob der Besitzer vorhat, das in nächster Zeit zu entfernen, oder ob er einfach warten möchte, bis der Inhalt von selber wegläuft... Als ich eine halbe Stunde später wieder in die Küche kam, war der Topf weg. Entweder wirklich weggelaufen oder jemand hat tatsächlich hinter sich aufgeräumt. Ich bin unsicher, welche die wahrscheinlichere Variante ist.
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